Ländliche Entwicklung

Frauen auf landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland – spielt Geschlechtergerechtigkeit auch eine Rolle?

Frauen spielen auf landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland eine bedeutende Rolle, ob als Betriebsleiterin, Ehegattin oder Partnerin eines Landwirts, als Altenteilerin, zukünftige Hofnachfolgerin oder Angestellte. Aber nicht alle Frauen, die auf landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland leben, sind auf diesen auch tätig. Und nicht alle Frauen, die in der Landwirtschaft tätig sind, leben auf Höfen. Wir schätzen die Anzahl der Frauen auf den knapp 260 000 landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland auf Basis der uns verfügbaren statistischen Datenquellen auf aktuell circa 521 000 Frauen in verschiedensten Rollen und Positionen (siehe Tabelle 1).

Frauen auf landwirtschaftlichen Betrieben in Zahlen

Und wie ist um die Geschlechtergerechtigkeit auf den landwirtschaftlichen Betrieben bestellt?

Die Rolle der Frauen auf landwirtschaftlichen Betrieben ist bundesweit sehr unterschiedlich, dies hängt auch mit der unterschiedlichen Agrarstruktur und der ländlichen Infrastruktur zusammen, sowie mit regional unterschiedlichen Traditionen. Auch heute müssen sich Frauen die Betriebe leiten (noch) auf die Frage einstellen, wo denn der Chef sei. Immerhin sind nur rund 10 % der Betriebsleiter sind weiblich, jedoch steigt ihr Anteil. Frauen leiten Betriebe häufiger im Nebenerwerb als Männer, ihre Betriebe sind kleiner an Fläche und häufiger Tierhaltungs- als Ackerbaubetriebe. In den ostdeutschen Bundesländern führen Frauen allerdings sehr viel häufiger einen Betrieb als in Westdeutschland.

Auch in Deutschland ist der Zugang zu Land – wie in vielen Teilen der Welt – sehr ungleich verteilt. Obwohl es das Gesetz nicht zwingend vorsieht, wird der Hof immer noch sehr viel häufiger an den Sohn als an die Tochter übergeben. Dies ist ein deutlicher Widerspruch zum Beispiel zum Anteil der Frauen unter den deutschen Studierenden der Agrarwissenschaften. Wenn kleine Kinder da sind, ist die Hausarbeit und die Aufgaben in der Familie oft ungleich verteilt – aber das ist nicht nur in der Landwirtschaft so. Frauen gelten aber auch als Motoren der Innovationen im ländlichen Raum: Initiativen im Bereich Direktvermarktung, ökologischer Bewirtschaftung, Lernort Bauernhof oder Betreuung von Senioren auf dem Betrieb gehen oft (auch gegen familiäre Widerstände) auf Frauen zurück. Hierzu gibt es wissenschaftliche Einzelstudien, jedoch noch keine bundesweite, systematische Bestandsaufnahme.

Findet der gesellschaftliche Wandel auch in der Landwirtschaft statt?

Der größte Teil der Frauen auf landwirtschaftlichen Betrieben ist mit dem Bauern verheiratet, aber die Lebensformen ändern sich auch in der Landwirtschaft. Es wird zukünftig unterschiedlichste betriebliche Konstellationen neben dem klassischen Familienbetrieb geben, in denen für Frauen auch mehr Mitsprache bei Entscheidungen möglich sein wird. Es wird zukünftig auch zunehmend unverheiratete Partnerinnen auf den Höfen geben, und auch Scheidungen mit all ihren persönlichen und finanziellen Konsequenzen nehmen zu. Mehr junge Frauen wählen wohl bewusst die Landwirtschaft als Ihren eigenen Beruf oder übernehmen den Hof von ihren Eltern. Die Existenzgründung in der Landwirtschaft ist, nicht nur für Frauen, jedoch nicht so einfach.

Derzeit fördert das Bundeslandwirtschaftsministerium eine Studie zu „Frauen in der Landwirtschaft“ Gemeinsam arbeiten daran das Thünen-Institut für Betriebswirtschaft und der Lehrstuhl für Soziologie ländlicher Räume an der Universität Göttingen, zusammen mit dem Deutschen LandFrauenverband.

Ziel ist eine wissenschaftlich basierte, bundesweite Erhebung der Lebens- und Arbeitssituation der Frauen auf landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland. Durch die Studie sollen darüber hinaus neue Erkenntnisse über den wirtschaftlichen Beitrag der Frauen in der Landwirtschaft gewonnen werden und überhaupt zum sozialen Zusammenhalt in ländlichen Räumen, etwa durch ehrenamtliches Engagement. Ein wichtiges Thema ist auch die soziale Absicherung der Frauen im Alter oder auch im Todesfall des Partners, der meist offiziell Betriebsleiter des Hofes ist. Welche Themen bewegen nun die Frauen landwirtschaftlicher Höfe besonders? Dazu werden aktuell Einzelinterviews und Workshops mit Landfrauen geführt. Der Teilnehmerinnenkreis umfasst sowohl Partnerinnen von Landwirten als auch Betriebseigentümerinnen und -leiterinnen sowie Altenteilerinnen. Besondere Aufmerksamkeit schenkt die Studie auch jungen Frauen, die den elterlichen Betrieb übernehmen wollen oder sogar schon konkret bei der Hofübernahme sind.  

Neben Fragen der gesellschaftlichen Akzeptanz und den vielfältigen Aufgaben der Frauen kommen auch höchst sensible Punkte wie Generationenkonflikte und Sorgen um die soziale Absicherung zur Sprache. Im Spätsommer wird auch eine große bundesweite schriftliche Befragung folgen.

Die KLJB wird den Link zur Online-Version mit allen Interessierten teilen.